17/01/03 OMA HANS / The Devil in Miss Jones,Dortmund-FZW

  

Mein lieber Scholli, das neue Jahr wartete gleich zu Beginn mit nem Konzerthammer sondergleichen auf, da konnte selbst ich nicht anders  als meine Gebeine von der Couch zu bewegen.  Um es ganz banal auszudrücken, EA80-Martin seine Zweitband und die Nachfolgeband von Jensen, seines Zeichens Ex-Sänger solch illustrer Kapellen wie Das Moor, Angeschissen und Dackelblut,  gaben sich die Ehre. Punkrock mit Anspruch also und dementsprechend waren auch viele Brillenträger im Publikum auszumachen und auch solche Bratzen, die Charlotte Roche und ihre Sendung Fast Forward für das Maß aller Dinge halten. Egal, ich durfte diesmal den Beifahrer und Wegweiser mimen und konnte dementsprechend meinen Blutalkoholwert  in die Höhe treiben. Am FZW angekommen hieß es erst mal Arsch abfrieren, die Türen waren verschlossen und nur Zaranoff und Schulten-Bräu ist es zu verdanken, dass keinem die verschiedensten Gliedmaßen abstarben. Man hatte dann doch ein Einsehen und öffnete tatsächlich irgendwann die heiligen Pforten, kassierte 8€ und der Laden füllte sich innerhalb kürzester Zeit doch ziemlich beängstigend. Devil in Miss Jones begannen gegen 20:45 und gaben sofort richtig Gas. Das Publikum wie gewohnt, ruhig, erhaben und arrogant der Blick Richtung Bühne um jedes Wort von ihrem Martin aufzusaugen, wie immer eigentlich, mehr Bewegung auf der Bühne, als davor. Überhaupt, dieses EA80 Publikum ist schon teilweise echt panne, was allerdings immer für nen Lacher gut ist. Wer mein Gesülze übrigens nicht länger ertragen kann und nur einen reinen Konzertbericht verlangt, dem empfehle ich an der mit „§“ gekennzeichneten Stelle weiterzulesen. Neben mir stand eine Art Gruftie, mit enger Domestosstretchjeans, schwarzen Schnallen-Schnabel-Stiefeln und langer Mähne mit blonden Strähnchen. In seiner Begleitung zwei weibliche Gegenstücke, in Lack, Leder und Netz. Eine der Ladies fragt mich nach Feuer und wirft mir nen Blick zu, der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ich schau schon mal vorsichtig nach nem Fluchtweg. Zu spät, der Darklord klopft mir auf die Schulter und hält mir ein gepflegtes Dreiblatt unter den Zinken. Vor lauter Todesangst lasse ich mich zu einem Verstoß gegen das BTM hinreißen und bin schon mittendrin in einer kleinen Konversation. Fragt mich der Typ ob ich allein hier wäre, ich verneine und erkläre ihm, dass ich mit ein paar ganz fiesen Partisanen zugegen wäre. Daraufhin zieht er genüsslich am Zigarettchen, blickt mir in die Augen und fragt, ob ich nicht Lust hätte nach dem Konzi mit ihm und seinen zwei Süßen mitzukommen. Die Kleine, die mich nach Feuer gefragt hatte, würde auf mich stehen und außerdem wären die beiden Mädels seine Sklavinnen. Desweiteren würde es ihn total anturnen, wenn ich es beiden besorgen würde und er dabei zusieht und Fotos macht. Obwohl das Angebot sehr verlockend klang, zog ich es lieber vor mich artig für den Genuß der bewußtseinserweiternden Zigarette zu bedanken und verabschiedete mich höflich. Irgendwie hatte ich doch keine Lust die Hauptrolle in einem Snuff-Movie zu spielen, harharhar. „§“ Tja, Devil in Miss Jones waren mal wieder göttlich, Martin verlegte ein paar mal seinen Platz inmitten des Mobs und die Band sprühte förmlich vor Spielfreude und handwerklich sind die Jungs sowieso brilliant. Meine Favoriten waren, „The Cool and the Fucked Up“, „I-Dentity“ und die beiden Oberknaller, „Love is a Punk“ und „GOD“. Der Auftritt war leider viel zu kurz. Nach einer kurzen Umbauphase folgten dann OMA HANS.  Sänger Jens wieder mal im Megapunkrockoutfit, geil, geil natürlich wie der ganze Auftritt. Es gibt wenige Bands die mich nur durch ihre Anwesenheit und ihre Musik so in den Bann ziehen. Auf Anhieb fallen mir da nur noch EA80 und Leatherface ein. Dackelblut hab ich zum ersten mal 96 gesehen, danach noch ca. acht mal und immer bin ich mit dem Gefühl nach Hause gegangen, das beste Konzert erlebt zu haben. Diesmal war´s natürlich genauso. Eigentlich war´s  auch wie immer nur dass man jetzt OMA HANS heißt. Extrem kurzweilige Angelegenheit, auch hier hat es sich einmal mehr gezeigt, dass die Jungs und die Dame ihre Instrumente perfekt beherrschen. Sehr geil wurde es auch wenn die Bassisten den Gesang übernahm.  Logisch dass man auch ein paar Dackelblutknaller parat hatte. Meine Favoriten waren, „FKK“, „In der Ukraine“ und natürlich „Sandsäcke“. Um 23:00 Uhr war dann leider schon Schluß.

Fazit: Wieder einmal hatte sich gelohnt seinen Arsch in die Kälte zu bewegen.

 

29/12/02 Punk im Pott – Zeche Carl

Ein Sonntag in mitten des Ruhrgebietes wie man ihn sich vorstellt. Die lieben Kleinen haben Windpocken und sind deshalb so richtig scheiße nervig,  dazu noch nicht enden wollender Regen und das alles bei angenehmen 6 Grad im Schatten, aber das alles konnte den lieben Onkel  nicht im geringsten aus der Ruhe bringen. Die Vorfreude auf ne geile Party war einfach zu groß. Acht Bands, vier davon zu meinen All-Time-Heroes gehörend, für schlappe 11€ier. Hab mich lange nicht mehr so auf ein Konzi gefreut. Ok, Ihr wisst es jetzt auch und los geht´s. Im strömenden Regen machte ich mich auf den Weg um den guten Magnus und die liebreizende Patricia aufzugabeln, um dann ohne Umwege die Richtung Essen einzuschlagen, musikalisch wurde das Ganze von Casanovas schwule Seite untermalt. Halb schwimmend, halb fahrend kamen wir die Einfahrt zur Zeche reingedonnert und ein paar Leutchen spritzten behende zur Seite, winkten mir freundlich zu und mir kam unweigerlich Boxhamsters „Unfallflucht“ in den Sinn. Sind ja auch selber schuld, wozu gibt´s denn Bürgersteige, freie Fahrt für freie Bürger sach ich nur. Ok, Parkplatz suchen auf dem Schlachtfeld, noch ein lecker SchultenBräu für 9 Cent in den Hals und ersma rein. Mann o Mann, wie pünktlich, um 19:20 enterten wir den Saal und ZSK zockten schon munter drauf los. Die Halle war auch schon recht gut gefüllt und ein kleiner Mob vor der Bühne feierte die Band ab. Ich fand die Jungs auch Klasse, nix Neues, Melodic Hardcore halt, aber saugeil rübergebracht, als Opener eigentlich zu schade. Erwähnenswert noch die Coverversion von Slime´s „Bullenschweine“, ganz groß, für die Mädels zog sich der Frontmann aus und man stimmte mehrmals ein Nazis Raus an, also für jeden was dabei, so gehört sich das und die Jungs wurden gebührend verabschiedet. So, erst mal wieder raus und ein lecker Schulten gekippt. Auf dem Weg traf man doch allerhand bekannte Gesichter und so wurde es doch ein bisschen länger mit dem Rückweg und Emscherkurve77 waren schon mittendrin. Für so einen Abend kann man eigentlich nix besseres aufbieten, party und mitgröhltauglich , Texte aussem Leben, besonders „Ruhrpottgirl“, und die Menge kochte. Fazit, live überzeugend und absolut partytauglich, aber auf  Platte brauch ich dat nich unbedingt, von wegen „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“. Allerdings find ich es schon bemerkenswert der Gurkentruppe aus OB die Treue zu halten, sehr sympathisch. Es folgte eine kurze Unterbrechung, die meisten Leutchen auf der Bühne blieben stehen, es kam ein witziges Dallas-Intro und es war Zeit für die Sondaschule und der Saal begann zum ersten Mal so richtig zu kochen. Auch ich muß sagen, man kann sich diesem tanzbaren Ska-Punk Sound schwer entziehen, besonders wenn man das Treiben auf der Bühne verfolgt, man kann nicht anders, die Beine fangen an sich zu bewegen und man ist einfach gut drauf. Der Höhepunkt für mich war der Song „Lieber einen Paffen“. Der Mob sah´s ähnlich und feierte als wär die letzte Band am Start. Überhaupt war das Publikum sehr geil und ging fast durchgehend gut ab. Ich weiß nicht, wann ich das letzte mal so viele Stagediver geshen habe. Es waren auffallend viele Kids am Start, also ist doch noch nicht Hopfen und Malz verloren und es gibt doch tatsächlich noch junge Leute, die den No Angels, BroSis und Konsorten den ausgestreckten Mittelfinger präsentieren. Darauf noch ein leckeres Schulten und bei Kumpelbasis den bemerkenswert hohen Frauenanteil noch mal genauer in Augenschein genommen. Wenn so mancher Vater gewusst hätte was sein Töchterchen so treibt und mit welchen Klamotten diese Gören die Blicke von so notgeilen, alten Säcken wie dem Onkelchen auf ihre formschönen Körper lenken, wäre dies 100% das letzte Konzi gewesen, was die jungen Damen vor Vollendung ihres 21sten Geburtstags beehrt haben. Naja, egal, die Jungs aus Berlin waren für mich der Tiefpunkt, mit dem Sound kann ich überhaupt nix anfangen, aber die Aussage und die Einstellung stimmt und Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Nach Kumpelbasis time for Rock`N`Roll. Die Revolvers aus dem Pott traten Ärsche und rockten wie die Sau. Da die Jungs dem Netten seine Söhne sind und Anstand haben zündeten sie eine Kerze auf den guten Joe Strummer an legten mit „Garage Land“ sofort einen vor. Der Auftritt gestaltete sich extrem kurzeilig und bei Slime´s „Zu kalt“ kam ich zu meiner Gänsepelle. Bei der vorletzten Zugabe übernahm ein Zuschauer die Vocals und machte seine Sache ausgesprochen gut. Beide Daumen steil nach oben. Es folgte der Höhepunkt, Rasta Knast brachte den Saal endgültig zum Überkochen. Den gesamten Auftritt verfolgte ich staunend und pogend, die Jungs knüppelten sich durch ihr Programm und das mit einem glasklaren Sound. Da merkt man die Erfahrung im Zusammenspiel. Göttlich! Nach dem Auftritt begannen sich die Reihen zu lichten, vermutlich fuhr für viele die letzte Bahn und es folgte eine längere Umbauphase. Zeit für, na klar, ein letztes Schulten, diesmal halb mit Cola, man will ja schließlich noch heil nach Hause kommen. Muff Potter kamen und brachten ne ordentliche Portion Melancholie mit. Schade eigentlich, steh ich doch eher auf die Songs, wo gehörig auf´s Gaspedal getreten wird. Egal, so lebte der Auftritt einmal mehr vom Charisma der Band. War eher was zum auf sich Wirken lassen, alte und neue Stücke sorgten für die richtige Stimmung, meine Favoriten waren „I love Fahrtwind“ und „Unkaputtbar“. Die Jungs aus Rheine sind einfach die Meister für geile Gänsehautmelodien. Unvermeidlich natürlich auch wieder ein kleiner zynischer Kommentar von Nagel in Richtung Publikum, „Ja, is klar, 11€uro für acht Bands, scheiß Kommerz und dann sind wir auch noch so schlecht und spielen jetzt auch noch ein Liebeslied“. Yess, denn  so geht´s ja nicht. Auch hier gilt, Daumen sehr steil nach oben. Jetzt wird’s historisch. Vier alte Männer betraten die Bühne und ich hatte die schlimmsten Befürchtungen, aber nix da. 999 haben mich eigentlich noch nie besonders interessiert, sicher kennt man den Namen und auch Songs wie, „Nasty Nasty“, „Homicide“ und natürlich „I´m Alive“ und man weiß, dass sie eine der ersten Punkbands waren, aber irgendwie haben sie es ,bis auf ein paar Samplerbeiträge, nie in meine Plattensammlung geschafft. Bin ich jetzt eigentlich unten durch? Egal, meine Lieblingsband werden sie auch jetzt nicht, aber ich war angenehm überrascht, sehr, sehr kurzweilige Angelegenheit, und ich bin bis zum Schluß geblieben.

Fazit des Abends: Extrem cremiger Angelegenheit, entspannte Atmosphäre, kurz, für kleines Geld wurde viel geboten und das in der Zeche Carl. Mehr davon!

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